„Einfach mal Klappe halten – das nervt!“

„Menschliche Schaffenskraft und der dazugehörige Erfindergeist“ werden bislang bei „Berechnereien“ zu Unrecht außer Acht gelassen, erklärt Ernst Prost

Mahlzeit liebe Kolleginnen und Kollegen.

wenn ich das jetzt schon wieder alles höre und lese, was Wirtschaftsweise, Theoretiker, selbsternannte Experten und unsere Politiker – und wer sich sonst noch alles bemüßigt, fühlt irgendeinen Spruch rauszuhauen – zu unserer wirtschaftlichen Zukunft sagen, dreht sich mir der Magen um. „Größte Krise seit Alexander dem Großen“, „Noch nie dagewesener Niedergang“. Dass es so schnell nicht besser werden wird, ist klar und dass es aller Wahrscheinlichkeit nach mit unserem Bruttoinlandsprodukt auch schlechter werden wird als die letzten Jahre, kann sich jeder „Hansel“ denken. Aber den Rückgang des Bruttosozialproduktes und den Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf das Zehntelprozent hinter dem Komma genau vorherzusagen, ist Scharlatanerie. Diese Herrschaften wissen doch selber nichts Genaues! Sonst würden sie nicht permanent zu unterschiedlichen Prognosen und Meinungen kommen. Ich sage schon seit Jahrzehnten: „Konjunktur ist nicht, was passiert und was Schlaumeier vorhersagen, sondern das, was die Wirtschaft mit ihren Unternehmen und Mannschaften macht.“ Die Betonung liegt auf „machen“, nicht auf „Glaskugel schauen“. Auch wenn diese Abschwungs- und Untergangs-Prognosen noch so unfundiert und falsch sein mögen, eines erreichen sie immer, nämlich die Menschen zu verunsichern und zu ängstigen. Wie kann man nur? Was macht das für einen Sinn?

Jeder Depp weiß, dass Wirtschaft sehr viel mit Psychologie zu tun hat und wenn dann ein paar selbsternannte, spezialwissende Oberexperten den vollständigen oder den teilweisen Untergang des Abendlandes vorhersagen, braucht man sich doch nicht wundern, wenn die Leute aufhören zu konsumieren und folglich die Firmen auch nicht mehr investieren. Das sind negative „self fullfilling prophecies“, die dann leider auch real in den herbeigeredeten Abwärtsstrudel führen. Ich verlange ja nicht, dass jemand die Situation rosiger beschreibt, als sie ist, aber Schwarzmalen hilft doch auch nichts. Und dann immer diese Brachialformulierungen mit apokalyptischem Anspruch. Warum nicht gleich: „Das Ende ist nahe?“. Es fällt auf, dass die Herrschaften sich gerne gegenseitig mit noch drastischeren Vorhersagen bei ihren Weissagungen übertreffen wollen....

Einfach mal die Klappe halten und zuschauen wie sich Firmen, Handwerker, Unternehmer, Angestellte und Arbeiter in dieser Schlacht schlagen. Die Prognosen stimmen doch schon nicht in normalen Zeiten. Ein Blick zurück am Ende des Jahres offenbart doch jedes Mal die Ungenauigkeiten jeder Vorhersage. Wer sagt denn, dass die Menschen nach ihrer Zwangswegsperrung nicht doppelt Bock auf Konsum, auf Restaurants, Cafés, Kino, neue Autos und Urlaub haben? Wer sagt denn, dass nicht ganz neue Technologien, neue Arbeitsweisen, neue Märkte nach dieser Krise Raum greifen, für neuen Schwung sorgen und das Bruttosozialprodukt befeuern, anstatt es einzuschmelzen? Diese „Berechnereien“ sind schon deshalb für die Katz`, weil sie die dynamische Komponente einer stabilen und kräftigen Volkswirtschaft außer Acht lassen: Nämlich die menschliche Schaffenskraft und der dazugehörige Erfindergeist. Wem hilft es denn wirklich zu hören, dass wir in die größte Krise aller jemals dagewesenen Krisen rutschen werden? Genau – niemandem. Hauptsache Angst machen…. Bitte, liebe Institutsvorsteher, Marktforscher und Anstaltsleiter – einfach mal die Klappe halten. Lassen Sie uns Unternehmer, Handwerker, Arbeiter, Angestellte, Selbstständige mal machen und in Ruhe arbeiten. Sie können uns dann gerne in ein paar Monaten „erklären“, warum Ihre damaligen Negativvorhersagen über die Entwicklung unserer Wirtschaftsleistung falsch waren. Aber hören Sie jetzt bitte & endlich auf, jeden Tag neue Hiobsbotschaften ins Land hinauszuposaunen. Das nervt – und schadet!

Beste Grüße 

Ernst Prost