„Social Tisch Dancing / Maskenshow der Minister“

Im heutigen Rundschreiben an seine Kollegen erklärt Ernst Prost, warum das Soziale gerade in Zeiten von Social Distancing wichtig ist und welche Vorteile ein leerer Schreibtisch hat

Liebe Liqui Moly / Meguin Familie!

„Eure Produkte sind voll scheiße und eure Werbung krass für den Arsch.“ Harald Schmidt, bist du das? Könnte er sein. Oder die versteckte Kamera. Ist es aber nicht – nur ein anonymer Internetwanderer... Kommt auch ab und zu vor - im Promillebereich.... Ich schreibe dann höflich zurück, dass wir uns gerne zu einem Meinungsaustausch im Netz treffen können, um notfalls auch mit Fakten und Tatsachen zu argumentieren. Meistens kommt dann nichts mehr. Da sind mir die lobenden und anerkennenden, aber natürlich auch die sachlich-kritischen Zuschriften viel lieber. Jede einzelne Zuschrift lese und beantworte ich. Es ist schön mit unseren Kunden zu kommunizieren. Zurzeit sind es Hunderte von Zuschriften der positiven Art, die wir jeden Tag erhalten. Manche wundern sich, Antwort zu bekommen, noch dazu von mir selbst und noch dazu nicht irgendwann, sondern am selben Tag, nicht selten gar in der gleichen Stunde.... Scheint aus der Mode gekommen zu sein - so ein Arbeitsstil. Manchmal ist altmodisch sein aber gar nicht sooo schlecht .... respektvoll, höflich und freundlich ist immer modern!

Großmutter hat immer gesagt: “Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ – So arbeite ich. Alles, was reinkommt, wird abgearbeitet: Mail für Mail, Brief für Brief, Anruf für Anruf. Da wird nichts auf die lange Bank geschoben und nichts später, irgendwann mal erledigt. Ich weiß doch gar nicht, was später noch alles zu erledigen ist. Ich bin ein Leertischler. Zum Feierabend muss der Schreibtisch leer sein... Danach kann ich immer noch denken und erfinden.... Möglicherweise kommt zur schon bestehenden Bugwelle an Unerledigtem morgen noch eine viel größere hinzu... Und dann? „Was man hat, das hat man“, sagt der Schwabe. An dieser Stelle geht es jetzt mal nicht ums Geld, sondern um „erledigt.“

Und weil das Schwäbische so ein schöner Dialekt ist, kann man ihn auch sehr humorvoll einsetzen. Zum Beispiel beim Sozialen Tanzen auf dem Tisch - dem Social Tisch Dancing :-). Eigentlich ist es eine körperliche Distanz, die wir zurzeit einhalten sollen, und keine soziale. Ganz im Gegenteil, jetzt ist Nähe und Wärme gefragt. Eben die soziale Seite an uns Menschen, das Menschliche gewissermaßen. Wir sind ja nicht lauter rücksichtslose Egoisten in einer großen Herde zusammen gepfercht, sondern durchaus verträgliche Individuen, die ein Herz für andere Individuen haben. Zeigt sich bestens sichtbar im Sozialverhalten Einzelner (oder auch nicht)... Lassen wir uns also bitte sozial bleiben, denn das Gegenteil von sozial ist unsozial oder gar asozial. Lassen Sie uns zeigen, dass wir das Herz auf dem rechten Fleck haben, dass wir für unsere Mitmenschen da sind und wissen, was zu tun ist. Bei der sofortigen Beantwortung von Fragen, aber auch der umgehenden Reaktion auf Kritik, fängt der Respekt vor dem anderen an. Auch hier gilt ratzfatz vor asap.... „Aufgrund von Arbeitsüberlastung kommen wir erst jetzt dazu Ihre Mail vom 8. Januar zu beantworten.“ – Nein, keine Behörde hat mir dies jetzt Ende April geschrieben, sondern ein gutes deutsches Unternehmen. Wie kann ich jemanden ernst nehmen oder glauben, dass ihm an einer Sache etwas liegt, wenn er 20 Tage braucht, um auf ein Schreiben zu reagieren? Die denken sich noch nicht mal was dabei, für die ist das sogar normal. Eine Arbeit von 10 Minuten wird drei Wochen lang geschoben.... Also an allem ist dieses Virus auch nicht schuld.... Ich hingegen kann nicht schlafen, wenn auch nur noch ein einziges E-Mail – egal um was es geht – unbeantwortet in meinem Kopf rum geistert und dadurch an meinem sozialen Gewissen und an meiner Ehre als Geschäftsführer nagt. Es gibt Dinge, die macht man einfach nicht, und es gibt Dinge, die muss man halt sofort erledigen. Mitunter nur eine Frage der Erziehung und in unserem Fall ein enorm wichtiger Bestandteil unserer Unternehmenskultur.

Lassen Sie uns also bitte so bleiben wie wir sind: Schnell, gründlich, höflich, freundlich und so wie wir uns wünschen, dass die anderen auch zu uns sein sollen....

Ketzerische Frage zu ministerialen Masken-Luftbrücken zum Schluss: Wird jetzt eigentlich jedes Flugzeug aus China mit zu spät bestellten und zu teuer bezahlten Masken oder ähnlichen „high tech Produkten“ an Bord von einem imagebedürftigem B-Politiker und einer Schar Journalisten live bei der Landung begrüßt? Ohne Maske vor dem Gesicht, dafür mit 30 cm Körperabstand... Ein Strafzettel mit Bußgeldbescheid für unsere Verteidigungsministerin – das wäre doch mal was.... Oder Care-Pakete inklusive Kaugummi von unseren amerikanischen Freunden via Luftbrücke über Berlin abgeworfen. Naja, hoffentlich taugen die Masken diesmal mehr als diejenigen, die der gute Andi Scheuer letztens in München auf dem Rollfeld mit Tränen in den Augen vor laufenden Kameras entgegen genommen hat....

Ihr

Ernst Prost