„Kastrierte Kater“

In seinem heutigen Rundschreiben an seine Kollegen kritisiert Ernst Prost Menschen, die selbst keine Verantwortung tragen, aber genau zu wissen meinen, was andere falsch machen

Liebe Weggefährten,

es mag 35 oder auch schon 40 Jahre her sein, als wir in unserem Marketing Club Augsburg Herrn Manfred Maus zu Gast hatten. Dieser Mann hat zusammen mit zwei anderen Männern OBI gegründet.... Natürlich saß ich in der vordersten Reihe mit gespitztem Bleistift und reichlich Blatt Papier. Hier gab es etwas zu lernen! Mein Block war voll und die Fragestunde begann. „Mein Name ist Doktor Dippel von Dippel & Partner. Mich würde interessieren, weshalb Sie es nicht so, sondern anstatt so lieber so gemacht haben. Es wäre doch viel besser gewesen, Sie hätten es anstatt so rum ganz anders rum gemacht, meinen Sie nicht auch, Herr Maus?“ Mir fielen Bleistift und Kinnlade gleichzeitig runter. War auch plötzlich ziemlich still im Saale. Herr Maus fixierte den sehr gut gekleideten Doktor Dippel eine Weile und meinte dann: „Sie sind bestimmt Unternehmensberater.“ „Richtig. Doktor Dippel, strategische Unternehmensberatung Dippel & Partner.“ „Verzeihen Sie, aber Sie kommen mir vor wie ein kastrierter Kater. Sie wissen zwar, wie es geht, aber Sie können es nicht.“....  Rumms – Manfred Maus hatte gesprochen....  Werde ich nie vergessen und jedes Mal, wenn mir ein Besserwisser über den Weg läuft, fällt mir diese Geschichte ein.

Eine andere Begebenheit der gleichen Art hatte ich auch vor vielen Jahren in den USA. Gary Boyd – unser erster Verkäufer – und ich standen in Las Vegas auf der SEMA-Show auf unserem Messestand. Nicht sehr groß, eher klein. USP (unique selling point = Alleinstellungsmerkmal) hatten wir auch keinen, aber zum ersten Mal Liqui Moly Motorenöle in den Vereinigten Staaten von Amerika im Angebot. Wow! Gary meinte: „No chance, Mr. Prost. We are too expensive“. – Jetzt hatten wir einen USP. Wir malten ein Schild: „The most expensive oil in the U.S. but from Germany“. Diese Verkäufer-Episode aber nur am Rande. Heute geht es mir ja um Besserwisser und nicht um Pioniere.... Am zweiten Messetag kamen zwei Herrn der ersteren Sorte und erklärten Gary und mir, was wir alles falsch machen, was wir ganz anders machen sollen und was überhaupt alles viel besser sei als das, was wir hier so machen. Gary, braungebrannter Kalifornier der Marke Dream Boy, hörte sich eine Weile an, was die Herren aus Boston so alles wussten, und fragte dann nur ganz höflich: „When you are so clever, why aren’t you so rich?“ Einer dieser Schachmatt-Sätze, die ich mein ganzes Leben nie vergessen werde.

Thank you Gary Boyd, danke Manfred Maus.

Ich wünsche uns allen eine gesunde, freudvolle und erfolgreiche Woche!

Ihr

Ernst Prost