„Am Riemen reißen“

LIQUI MOLY-Geschäftsführer Ernst Prost über Anpacken statt Aussitzen

Liebe Mitunternehmer,

 

es ist doch wahrlich schon alles kompliziert genug. Einfach und problemlos geht heutzutage überhaupt nichts mehr. Unser Geschäft und unsere Arbeit wird immer mehr durch allerlei bürokratische und regulatorische Hürden erschwert. Da müssen wir nicht auch noch selbst die Dinge verkomplizieren, einen riesen Hajopei um nichts machen oder auf Nebenkriegsschauplätzen, die rein gar nichts bringen, „spielen“. Konzentration aufs Wesentliche, auf unser Geschäft, auf unsere Kunden und auf unsere Marke – und damit auf unsere Existenz und unser Überleben. – Das ist es, was ich von uns generell erwarte, nicht nur in der Corona-Krise. Lassen Sie sich bitte von diesem Weg nicht abbringen!

Die größte Chance für eine erfolgreiche Sieger-Strategie liegt in ihrer konsequenten Umsetzung.... Der beste Plan nützt nichts, wenn man an seine Realisierung nur halbherzig rangeht. Gefragt ist Denken UND Handeln. Eine gewisse Ausdauer, ja sogar eine gesunde Beharrlichkeit ist dabei von Nutzen. Nicht aufgeben – niemals, auch wenn Schwierigkeiten auftauchen! Dann erst recht nicht. Zielstrebig bleiben und kämpfen! Dafür wiederum ist die Voraussetzung, dass man von seinen eigenen Ideen und Visionen, von seiner Aufgabe und seiner Mission überzeugt ist. Man muss schon daran glauben, was man tut… - Und am besten auch an sich selbst. Unser Haus ist gut bestellt und damit das so bleibt, müssen wir arbeiten, schaffen und rackern. Hoffen & abwarten oder schlau daher reden, reichen definitiv nicht aus. Umbrüche und Umwälzungen in unserem Umfeld müssen wir parieren. Wegducken und sich wünschen, dass alles so bleibt, wie es immer war (oder von selber besser wird), ist kindisch. Besser ist schonungsloses Analysieren was abgeht (oder falsch läuft) und dann bitte konsequent optimieren, machen und anpacken. Fehler bitte gründlich analysieren und ausmerzen. – Dabei geht es nie um Schuldzuweisungen, sondern stets um Verbesserung.

Unsere gesamtwirtschaftliche und unternehmerische Entwicklung zeigt ja nicht nur Stärken, sondern auch allerlei Schwächen und auch Gefahren auf – genau an diesen Stellen müssen wir anpacken und verbessern! Durch Aussitzen von Problemen gehen diese nicht weg. Und mit dem „alten Scheiß“ von gestern gewinnt man keine neuen Blumentöpfe. Das Leben besteht nun einmal aus Veränderung – ob uns das passt oder nicht. Und wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit… Wir haben eine gesunde Mischung aus „alten Hasen“ und „jungem Gemüse“. Routine und Aufbruch. Erfahrung und Neues. Ich liebe diese Zusammensetzung in unserer Mannschaft.

Wenn wir uns selbst zusätzlich Gutes tun wollen – wogegen nichts spricht – müssen wir vorher jedoch auch selbst das Notwendige tun: Umsätze erwirtschaften, Erträge ausbauen, Kosten beherrschen und zukunftsfähige Konzepte und Strategien entwickeln. Wir dürfen vor lauter Bürokratie, die uns von außen aufgezwängt wird, und durch ähnliche Bestrebungen, die aus uns selbst heraus geboren werden, nie vergessen, dass die Firma nur dann lebt, wenn wir selbst lebendig jeden Tag schlau und kräftig unsere Arbeit erledigen.

Wenn wir uns nur noch mit Wirtschaftsausschuss, Compliance Officer, Datenschutzgrundverordnung und ähnlichem beschäftigen und darüber hinaus noch allerlei selbstgewählte Beschäftigungsprogramme erfinden, fehlt uns die Zeit für die so wichtige Arbeit mit Produkten, Kunden, Produktionsprozessen, den Lieferanten und den Konkurrenten. Bevor wir uns also irgendwelchen freiwilligen „Spaß-Übungen“ widmen und zu neuen „Heldentaten“ aufbrechen wollen, müssen wir immer erst einmal unser Haus bestens bestellen und die Dinge, die nicht gut laufen, radikal verbessern, um unser Kerngeschäft zu beherrschen. Damit haben wir Arbeit genug. Und daran werden wir auch gemessen und nicht an der Lautstärke von Nebengeräuschen, die wir produzieren, die uns aber keinen Zentimeter weiter bringen. Wir sind kein Konzern und keine Behörde, sondern ein schlagkräftiger Haufen!

Wenn Sie die Zeitung lesen, stoßen sie (auch in Nicht-Krisen) immer wieder auf Schlagzeilen wie: „Personalabbau – für mehr Rendite“ oder „Stellenstreichung wegen Strukturwandel“. In Wahrheit hat man Entwicklungen verschlafen oder sich im Erfolg vergangener Zeiten gesonnt, anstatt rechtzeitig das Ruder herumzureißen und sich selbst zugleich am Riemen zu reißen. Das alles soll uns nicht passieren, deshalb sage ich „Wehret den Anfängen!“. Bitte lassen Sie – gerade in Zeiten von Problemen und noch mehr in Zeiten von Erfolgen – in unseren Bemühungen und unserer Leistungskraft nicht nach! Mit gestählten Muskeln lässt sich ein Wettbewerb leichter gewinnen, als wenn man lustlos auf dem Zahnfleisch daher kommt. Fit & krisenfest – so sehe ich uns.

Zur Zukunftssicherung unseres Unternehmens kann ich nur folgende Gedanken zitieren: Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Dann gibt es Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen. Und drittens gibt es Dinge, von denen wir nicht einmal wissen, dass wir sie nicht wissen…. Überraschung!

Oder mit anderen Worten: Man sieht nur das, was man kennt. Nicht nur möglicherweise, sondern ganz sicher gibt es aber Dinge, die wir nicht kennen und von denen wir auch nicht wissen. Also wie soll man sich darauf einstellen? Antwort: Jeden Tag hellwach bleiben, sich auf das Wesentliche konzentrieren, die Arbeit erledigen und keine unnötigen Spielereien treiben. Bescheiden bleiben und das Machbare sehen. Schauen, wo die Reise hingeht, auf Veränderungen konsequent reagieren und sich vor Veränderungen nicht fürchten, sondern als Chance begreifen. Und nie den Fehler dieses Esels machen, der aufs Eis geht, weil es ihm zu gut ging….

 

Ihr

Ernst Prost