„Alles was schief gehen kann, wird auch schiefgehen…“

LIQUI MOLY-Geschäftsführer Ernst Prost über Handeln in Krisen

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

irgendetwas Doofes oder Schlimmes ist doch immer… Von selbst geht nichts… Alles was schief gehen kann, wird auch schiefgehen.....

Vorab was ganz anderes: Sie haben es bestimmt bemerkt, dass ich jeden Tag zur Mittagszeit ein Flugzeug mit unserem Werbebanner im Schlepptau über Ulm und speziell über unsere Firma fliegen lasse. Ein kleiner Gruß an unsere Heimatstadt und ein großer Dank an Sie alle !! Und ein Mordsspaß für jeweils nur 250 € :-) :-)

Jetzt aber wieder zum Thema:

Eine Firma ist wie ein Körper. Da gibt es Stärken und Schwächen. Und manchmal auch Krankheiten... Manche Eigenschaften des Körpers führen zu Hochleistungen und andere Eigenschaften wiederum zu Beschwerden, Schmerzen oder gar zum Tod. Unsere Aufgabe ist es, die Stärken auszubauen und die Schwächen auszumerzen. Nur das eine zu tun und das andere zu unterlassen, hilft nicht wirklich – egal welcher Seite man sich zuwendet. Es gilt, die Stärken weiterhin zu betonen und gleichzeitig die Schwächen zu beseitigen. Ich denke, das machen wir gut, weil wir auch sehr ehrlich und schonungslos zu uns bei der Analyse unserer Stärken und Schwächen sind. Sich etwas schönreden bringt ja auch nichts.

Ab und zu treten auch Krankheiten auf, dann ist weder der Körper noch die Firma so wie es sein soll und so wie man es gerne möchte. – Und manchmal kommt halt alles zusammen und knüppeldick. Aber auch Krankheiten gehören zum Leben und zur Existenz einer Firma. Und wie bei einem guten, verantwortungsvollen Arzt steht am Anfang der Behandlung die Diagnose. Handelt es sich bei der Krankheit jetzt um einen Pickel am Hintern, der zwar nicht schön ist und auch nervt, aber nicht weiter behandelt werden muss, weil er nicht lebensbedrohend ist, oder entspricht das Krankheitsbild einer gefährlichen Veränderung des gesamten Organismus, der gesamten Firma? Dann muss man natürlich anders an die Sache rangehen. Und genau an dieser Stelle sind wir jetzt! Corona beutelt uns extrem heftig.

Mit manchen Krankheiten kann man leben, manche muss man behandeln, andere mit Stumpf und Stiel ausrotten, damit sie keinen noch größeren Schaden anrichten. Auf die leichte Schulter nehmen darf man gar nichts. Aus manchem Pickel hat sich schon ein Geschwür entwickelt. Deshalb immer aufgepasst und rechtzeitig eingreifen! „Vorbeugen ist besser als bohren“ – Sie kennen diesen alten Zahnarzt-Spruch. Und „Wehret den Anfängen“ – einen meiner Lieblingsleitgedanken – kennen Sie auch.

Wie bei jeder Krankheit des Körpers, der Seele und auch des Geistes, so ist es auch für die Firma wichtig, stets optimistisch zu bleiben, das Gute zu hoffen, nicht aufzugeben und alles dafür zu tun, dass man wieder gesund wird. Krankheiten gehören zum Leben und Krisen zum Geschäft. Solange ich mich erinnern kann, war immer irgendetwas, was man nicht unbedingt wollte, nicht brauchen konnte, aber trotzdem eintrat. Meine Strategie: Keine Panik schieben, in Ruhe und sachlich die Aufgaben erledigen und die Probleme energisch lösen. Mit Beharrlichkeit und Zuversicht jeden Tag fleißig & motiviert - gerne auch fröhlich mit viel Humor - den Job erledigen. Informieren Sie sich, lernen Sie dazu, schauen Sie voraus und dann kräftig anpacken. Das empfehle ich uns.

Murphy’s Law aus der Überschrift hat damit auch seinen Schrecken verloren. Wenn man etwas weiß, kann man sich auch darauf einstellen und ist nicht enttäuscht oder überrascht. Alles eine Frage der Einstellung zum Leben und zur Arbeit und natürlich auch eine Frage der Mentalität. Ich sehe es schon so, dass wir wegen Corona und Lockdown im Moment nicht sehr gesund sind. Deshalb haben wir absolut keine Zeit zum Ausruhen, kein Grund zur Zufriedenheit und schon gar kein Grund für spaßige Laubsäge-Arbeiten – dicke Bretter bohren ist angesagt, ihr Lieben! Ich hab’s gern perfekt, Freunde, und nicht halbherzig.... Ich bin ein sehr schlechter Verlierer :-) – Ich möchte immer gewinnen, zusammen mit Ihnen und unseren Geschäfts–FREUNDEN in aller Welt!!!

Und deshalb bitte ich Sie, Projekte und Aktivitäten stets auch vom Ende her zu denken. Also vom Ergebnis her, von den Auswirkungen unserer Entscheidungen für alle Beteiligten. Von dem, was in der Konsequenz passiert, wenn man etwas beginnt. (Oder etwas unterlässt).

Bitte vorher gut überlegen, was es im Endeffekt für uns bedeutet, bevor alle Mann losrennen. (Oder stehenbleiben.) Was kostet ein Projekt in der Summe? Wie lange dauert so etwas? Was ist zu tun? Was bedeutet die Entscheidung für uns und für unsere Kunden? Und Gretchenfrage: Ist es überhaupt notwendig und sinnvoll? Planungshorizonte werden meistens zu kurzfristig angelegt. Wenn dann Dinge schief gehen oder wir von Ungeplantem überrascht werden, ist dies scheitern mit Ansage…. Bitte überlegen Sie dreimal, bevor Sie mit irgendetwas anfangen, was Sache ist, was passieren könnte, was das Ganze bedeutet, was es uns nutzt und was alles getan werden muss, um das Ziel zu erreichen! Auch unsere Ressourcen sind endlich.... Zeit ist Geld; und jede Form von Verschwendung eine Sünde.

Im Moment werden wir von allerlei unliebsamen Rahmenbedingungen gepeinigt. Im Grunde genommen kann man alle Verwerfungen auf das Corona-Virus und auf die damit einhergehenden Entscheidungen und Reaktionen der weltweiten Politik zurückführen. Die Angst vor der Angst....Die Panik vor der Panik und allzu menschliches, mitunter sogar irrationales Verhalten: Die Krankheit, die Wirtschaft und die Psychologie…. Den Salat haben wir jetzt in Form einer Wirtschaftskrise. Da beißt die Maus keinen Faden ab: Gewinneinbrüche in nahezu allen Branchen, bei tausenden von Unternehmen. Verluste, Konkurse, Kurzarbeit, Entlassungen. Einzelne Menschen, Firmen und ganze Länder werden in einen schrecklichen Abwärtsstrudel gezogen.

Was ist in Krisen zu tun? Absolute Konzentration auf das Wesentliche! Keine unnötigen Spielchen. Keine Verschwendung von Zeit und Geld. Und keine Zeit, um weißen Elefanten nachzujagen oder Wolkenkuckucksheime zu bauen. Wir brauchen jetzt die Pragmatiker, die Arbeiter, die Schaffer. „All hands on deck“ sagt man im Englischen, wenn aufgrund einer Krise jede einzelne Arbeitskraft dringend – eben zur Lösung dieser Krise – benötigt wird.

Ich sage es sehr deutlich: Wenn wir die nächsten Monate keine 100 % Höchstleistung abliefern, dann sind wir geliefert.... Bitte kämpfen Sie also zusammen mit mir weiterhin so famos und leidenschaftlich wie seit dem Ausbruch dieser Krise! Dafür danke ich Ihnen sehr herzlich!

Ihr

Ernst Prost