„Gefährliche Experimente bleiben lassen“

LIQUI MOLY-Technikexperte Harry Hartkorn über Dieselzusätze im Winter

Januar 2019 – Für Diesel gab es schon bessere, weniger Skandal trächtige Zeiten. Bei aller Kritik ist dieser Motortyp ein sehr sparsamer, will aber im Winter besonders umsorgt sein. Kälte kann dem Aggregat schwer zu schaffen machen. Worauf Dieselfahrzeugbesitzer im Winter achten sollten, erklärt Harry Hartkorn. Er ist Teamleiter der Anwendungstechnik beim Autochemiespezialist LIQUI MOLY.

 

Wann sollte man Diesel-Winterzusatz einfüllen oder mitführen?

Das hängt sehr von der Witterung und vom Ziel der Fahrt ab. Wer von milderen Regionen beispielsweise in den Skiurlaub fährt, sollte einen Fließverbesserer wie Diesel-Fließ-Fit von LIQUI MOLY einpacken. Das gilt auch für jene, die viel mit ihrem Fahrzeug beruflich unterwegs sind und deutlich kältere Ziele ansteuern. Speziell wer auf lange Fahrt in andere Länder geht, sollte sich vorbereiten: Während man in Deutschland bereits Übergangs- oder sogar Winterdiesel bekommt, ist beispielsweise in Süditalien oder Spanien nur Sommerdiesel erhältlich. Damit kann es auf dem Weg in die nördlicher gelegene und meist kältere Heimat zu unliebsamen Überraschungen kommen.

 

Wie kann man die Qualität des Dieselkraftstoffs beim Tanken unterwegs erkennen?

Ohne Laborversuche lässt sich die Qualität des Dieselkraftstoffs nicht bestimmen. Das bedeutet, Laie und Fachmann müssen darauf vertrauen, dass die ausgelobte Kraftstoffqualität an der Zapfsäule dem entspricht, was man einfüllt.

 

Welche unterschiedlichen Dieselkraftstoffe gibt es und worin unterscheiden sie sich?

In Deutschland gibt es drei Dieselqualitäten. Sommerdiesel darf laut Gesetzgeber nur bis Ende September verkauft werden. Hier liegt die Filtrierbarkeitsgrenze, der so genannte Cold Filter Plugging Point oder CFPP-Wert, bei 0 Grad Celsius. Von Oktober bis Mitte November gibt es sogenannten Übergangsdiesel, dessen CFPP-Wert bei -10 Grad Celsius liegt. Ab Mitte November sollte bis Ende Februar an allen Tankstellen in Deutschland Winterdiesel erhältlich sein. Dieser weist eine Filtrierbarkeitsgrenze von -20 Grad Celsius auf. Von Anfang März bis Mitte April ist wieder Übergangsdiesel an den Zapfsäulen verfügbar. In manchen Gegenden Europas, darunter in Skandinavien, gibt es für extrem kalte Witterung Polardiesel, der wiederum in fünf Klassen unterteilt ist.

Die Filtrierbarkeitsgrenze, bei dem ein Prüffilter unter definierten Bedingungen verstopft, ist im Winterdiesel gegenüber dem Sommerdiesel deutlich herabgesetzt. Die Messmethoden sind in der Norm EN 590 definiert. Sie gilt in allen Ländern der EU sowie in Island, Norwegen und in der Schweiz.

 

Bei welchen Fahrzeugen ist die Gefahr am größten, dass der Kraftstofffilter verstopft?

Fahrzeuge die im Freien stehen, kühlen viel stärker aus als jene in Garagen. Fahrtwind lässt die Temperatur abermals sinken, weshalb wir den frühzeitigen Einsatz des Mittels empfehlen. Ist das Paraffin erst einmal ausgeflockt, hilft auch kein Fließverbesserer mehr. Dann sind Wärme und Geduld gefragt, damit das Fahrzeug langsam „auftauen“ kann. Diese unnötigen Standzeiten lassen sich vermeiden.

 

Was gilt es noch zu beachten?

Diesel-Fließ-Fit darf nicht bei unter 0 Grad Celsius gelagert werden, also nicht im Freien, in den Staukästen von LKW, in unbeheizten Lagerhallen oder Garagen. Beim Einfüllen sollte es Raumtemperatur besitzen und die Temperatur des Dieselkraftstoffs nicht unterhalb des Gefrierpunktes liegen. Unter den angegeben Bedingungen lassen sich unsere Additive maximal fünf Jahre lagern.

 

Kann eine Überdosierung mit dem Zusatzmittel zu Schäden führen?

Selbst bei der doppelten der vorgegebenen Menge ist die Verwendung unbedenklich. Mehr hilft aber nicht mehr. Die Wirkung des Additivs erfolgt nur einmalig und kann nicht durch mehr Additiv erhöht werden. Deshalb ergibt eine stärkere Dosierung keinen Sinn.

 

Wie lassen sich diese Schäden vermeiden?

Der Spielraum für eine Überdosierung ist so groß, dass Schäden mehr als unwahrscheinlich sind. Uns sind keine bekannt. Große und teure Schäden können „alte Hausmittelchen“ wie Petroleum oder Benzin anrichten. Werden diese dem Diesel beigemischt, ist keine ausreichende Schmierung der Hochdruckpumpe und anderer hochempfindlicher Bauteile des gesamten Einspritzsystems gewährleistet. Zu Experimenten sollte sich niemand hinreißen lassen. Besonders moderne Motoren verzeihen das nicht.